Neckartenzlingen - St. Paulus
Informationen
Durch Flucht und Vertreibung aus den Ostgebieten wurde im Oktober 1946 in Neckartenzlingen eine katholische Seelsorgestelle eingerichtet. 1950 lebten etwa 600 Katholiken im Ort. Ihre Gottesdienste konnten sie in den ersten Jahren in der evangelischen Martins-kirche feiern. Den Wunsch nach einer eigenen Kirche realisierte die katholische Gemeinde mit dem ersten Spatenstich am 11. September 1954 und der feierlichen Grundsteinlegung am 15. Mai 1955 nach Plänen von Architekt Albert Hänle. Am 24. Juni 1956 wurde die „St. Paulus-Kirche" von Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht aus Rottenburg geweiht.
Am 19. September 1957 wurde die Seelsorgestelle zur Pfarrei erhoben. 2021 erfolgte eine umfassende Innenrenovierung unter der Leitung des Mössinger Architekten Denninger und dem Künstlerehepaar Lutzenberger aus Bad Wörishofen.
Ambo, Altar und Taufstein liegen nun auf einer optischen Linie in der Mitte des symmetrischen Raumes. Die Bestuhlung, elliptisch angeordnet um Ambo und Altar, vermittelt Nähe und Gemeinschaft. Beim Betreten der Kirche richtet sich der Blick auf das große Glasfenster von Prof. Wilhelm Geyer: „Die Christuspredigt des Paulus". Das Sgraffito der Außenwand zeigt links; „Paulus schreibt im Gefängnis Briefe" und rechts: „Paulus verkündet die Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu".
Quelle: Tafel an der Kirche, gestiftet von: Interessengemeinschaft Neckartenzlinger Ortsgeschichte e.V.
St. Paulus gehört zur Seelsorgeeinheit 9: Neckar-Aich mit:
Maria, Hilfe der Christen, Aichtal-Grötzingen (mit Aich, Neuenhaus, Schlaitdorf, Filderstadt-Harthausen)
St. Paulus, Neckartenzlingen (mit Altdorf, Altenriet, Bempflingen, Kleinbettlingen, Neckartailfingen)
Quelle
Auf YouTube findet man ein Video über die Kirche. leider ohne Erklärung dafür mit Musik unterlegt, die mMn unpassender nicht sein könnte...
Inhalt
- 1.1 · Außen
- 1.2 · Außen - Sgrafitto Paulus
- 2 · Die Neugestaltung des Innenraums
- 2.1 · Innen Übersicht
- 2.2 · Das Hauptportal mit dem Sternenhimmel von Jerusalem zu Jesu Geburt
- 3 · Die Prinzipalien
- 4 · Der Taufraum (ehemals Chor) mit dem Fenster von Wilhelm Geyer
- 5 · Seitenkapelle "Maria"
- 6 · Sakramentskapelle
- 7 · Die Orgel(empore)
Auf der Website der Kirchgemeinde findet man einen sehr informativen Text, hier zum Download, in Teilen unten übernommen.
Über den Architekten Albert Hänle ist wenig zu finden.
Er war ein bedeutender deutscher Architekt der Nachkriegsmoderne in Württemberg, entwarf vor allem katholische Kirchenbauten und sakrale Räume, die durch moderne Grundrisse und innovative Konstruktionen wie Spannbeton-Hängedächer geprägt sind.
Bekannte Bauten
St. Peter und Paul (Schwäbisch Gmünd): Errichtet 1958 mit ovalem Grundriss und einem Pionier-Hängedach aus Spannbeton.
St. Bonifatius (Asperg): Erbaut 1952 bis 1954 und geweiht im Juli 1954.
St. Paulus (Neckartenzlingen): Erbaut 1954 bis 1956,
Dreifaltigkeitskirche (Crailsheim): Umstrittener, monolithischer moderner Bau der Nachkriegszeit für Heimatvertriebene.
.Am 14.6.26 wurde mit einem Festgottesdienst 70 Jahre St. Paulus Neckartenzlingen gefeiert. Dekan Volker Weber erinnerte an zwei weitere Jubiläen: die Orgelweihe vor 10 Jahren und die Renovation von St. Paulus vor 5 Jahren.
1.1 · Außen
1.2 · Außen - Sgrafitto Paulus
2 · Die Neugestaltung des Innenraums
durch den Mössinger Architekten Denninger und dem Künstlerehepaar Lutzenberger aus Bad Wörishofen.ist ein faszinierendes Beispiel, wie man einen Kirchenraum vollkommen umgestalten und den heutigen ,liturgischen Anforderungen anpassen kann. Er ähnelt in verblüffender Weise der Kirche St. Antonius in Stuttgart-Kaltental. Ein Vergleich lohnt sich!
Der Umbau ist auf der Website des Architekten zu finden, über die Künstler Lutzenberger siehe hier.
Herausgegeben von der Diözese Rottenbirg-Stuttgart erschien 2021 der Band "Heilige Kunst", Mitgliedsgabe des Kunstvereins der Diözese Rottenburg (Band 42) in welchem Auf S. 231 die Umbaumaßnahmen beschrieben werden.
Verlag Thorbecke · ISSN 0437-1585
Im Boden verankerte, zwei Meter hohe Messingstäbe bilden eine luftige optische Trennung zwischen Kirchenschiff und dem jetzigen Taufraum, dem bisherigen Altarraum. Bei großen Gottesdiensten wird diese lichte Trennwand unter das große Glasfenster am bisherigen Standort des Altars versetzt.
Der neue runde Altar ist in die Mitte gerückt, die Gemeinde versammelt sich um diesen. Sein Platz ist fest, im Gegensatz zum Ambo, der zwei verschiedene Plätze einnehmen kann.
Altar, Ambo und Taufstein liegen nun auf einer optischen Linie in der Mitte der symmetrischen Kirche. Auf den Stufen zum Altarraum wurde in der Mitte eine große Bank für die Ministranten und den Pfarrer gestaltet.
Quelle: Website Kirchgemeinde
2.1 · Innen Übersicht
2.2 · Das Hauptportal mit dem Sternenhimmel von Jerusalem zu Jesu Geburt
3 · Die Prinzipalien
4 · Der Taufraum (ehemals Chor) mit dem Fenster von Wilhelm Geyer
Wer die Kirche betritt, dem fällt zunächst das große Glasfenster von Prof. Wilhelm Geyer an der Stirnseite des ehemaligen Altarraumes auf, das den Titel "Die Christuspredigt des Paulus" trägt. In der Mitte des Bildes, ganz von Licht umgeben, ist der auferstandene Christus dargestellt. Um ihn herum steigen Verstorbene aus ihren Gräbern. Von oben stoßen Engel in die Posaunen, um die Toten zu erwecken (vgl. 1 Kor 15,52). Ganz unten sind Szenen der Leidensgeschichte zu sehen.
5 · Seitenkapelle "Maria"
Die Madonna, ist ein Geschenk einer einheimischen Familie an die zuge-wanderten Heimatvertriebenen. In der ehemaligen Taufnische, rechts neben dem Eingang, erhielt die Marienfigur einen neuen Sockel und eine eigene Marienkapelle. Abgetrennt vom großen Kirchenraum ist die Marienkapelle mit Messingstäben wie im vorderen Teil der Kirche. An diesen Stäben können Teelichter angezündet werden.
Die drei Buntglasfenster (Wilhelm Geyer) haben 1 Joh 5,7-8a als Grundlage: "Drei sind es, die Zeugnis ablegen: der Geist, das Wasser und das Blut." Dargestellt sind die Begegnung am Jakobsbrunnen, der Gekreuzigte und das Pfingstereignis..
6 · Sakramentskapelle
Auf der linken Seite der Kirche rückte der Tabernakel an die Stelle des ehemaligen Beichtraums. Es wurde eine Sakramentskapelle geschaffen, die von drei Fenstern (Wilhelm Geyer: der Mensch steht vom Schlaf auf / der Mensch lebt in Gemeinschaft / legt ab die Waffen der Finsternis und zieht an die Waffen des Lichts) und einem Lichtband am Boden erhellt wird. Für die Beichte wurde ein Raum unter der Treppe zur Empore geschaffen.
7 · Die Orgel(empore)
Informationen zur Orgel
Zur Orgelweihe am 08.03.2016 erschien eine kleine Festschrift, hieraus 2 Beiträge und die Orgeldisposition:
Liebe Kirchengemeinde,
„Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, freut euch, jubelt und singt!"! (Ps. 98,4)
mit diesem großartigen Wort fordert der alttestamentliche Psalmbeter zum Lobe Gottes auf. Gott zu loben ist über die Zeiten hinweg auch die vornehmste Aufgabe der christlichen Gemeinden. Und so freue ich mich, dass heute, am Sonntag Laetare, mit der Weihe der von mir gebauten Orgel nunmehr die Königin der Instrumente im Gottesdienst erklingt. Die Weihe einer Orgel ist für alle Beteiligten ein Meilenstein auf einem Weg, der in Neckartenzlingen fast 60 Jahre gedauert hat, bis ein adaequates Instrument auf der Empore seinen Einzug halten konnte.
Die neue, mechanische Schleifladen-Orgel hat 18 Register und zwei Transmissionen auf 2 Manuale und Pedal. Die größte Pfeife ist zwei-einhalb Meter, die kleinste ohne Fuß gemessen 10mm lang. Von der alten Orgel konnten drei Register nach sorgfältiger Überarbeitung und die Gebläsemaschine übernommen werden.
Weitere 8 Register und Klaviaturen aus meinem Betriebsbestand konnten in das neue Werk integriert werden und so ein aktiver Beitrag zur nachhaltigen Nutzung wertvoller Ressourcen geleistet werden.
Eine reizvolle Aufgabe war es, all diese Teile in einem technischen Neubau zu einer logisch und übersichtlich aufgebauten Einheit zusammen zu fügen und die 1084 Pfeifen zu einer wohlklingenden, dem Kirchenraum angepassten Einheit zu verschmelzen.
Ich wünsche der Kirchengemeinde St. Paulus Neckartenzlingen viele erbauliche Gottesdienste und anregende Konzerte mit der neuen Orgel. Möge die Musik die Herzen der Menschen bereichern und begeistern.
Klaus Grüble
Orgelbaumeister
Die Orgel zum Lobe Gottes
Die katholische Kirche in Neckartenzlingen hatte früher eine alte gebrauchte Pfeifenorgel, die auf Grund ihrer überalterten maroden elektronischen Technik bald nicht mehr funktionierte. Seit etwa 20 Jahren gab es dann als Übergangslösung eine kleine Leihorgel der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Nun wurde der Beschluss zur Anschaffung eines dem Raum ange-passten Pfeifeninstruments gefasst. Für eine so kleine Kirchengemeinde ist die Anschaffung einer neuen Pfeifenorgel heute, wo überall nur gespart wird, überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Dies muss in höchstem Maße auch vor altem anerkannt werden, dass man hier etwas weiter als nur bis morgen gedacht hat und den Mut hatte, auch in die Zukunft zu investieren.
Möglich wurde dies, weil seit vielen Jahren darauf angespart wurde und auch weil von der kleinen Orgelbaufirma Grüble aus Kerpen [die bereits in Nürtingen St. Johannes eine beachtenswerte Truhenorgel erstellt hatte) ein Angebot vorlag, das durch die Verwendung verschiedener gebrauchter Pfeifen (überwiegend die großen und kostenintensiven Pfeifen des Pedales) sowie der Übernahme des bisherigen Orgelmotors der Preis in einem erreichbaren Rahmen lag. Auch das Orgelgehäuse verzichtet auf jeden Luxus.
Für das jetzt neu eingebaute Instrument, das eigens auf den Raum konzipiert wurde (Gehäuse wie Pfeifenarten sind direkt für diesen Raum berechnet], wurde das altbewährte System der mechanischen Schleif-lade angewendet. Bei der Ausführung der Arbeiten wirkte neben dem Auftragnehmer auch der Orgelbaumeister Rebmann aus Rottenburg bei verschiedenen Teilen mit. Diese beiden Orgelbaumeister haben schon mehrfach erfolgreich zusammengearbeitet.
Die Pfeifenorqel steht als Instrument auf Grund ihrer Einzigartigkeit und künstlerischen Sensibilität wieder hoch im Kurs. Sie steht auch unter den traditionellen Instrumenten einzigartig da, indem sie indem sie ein höchst zutreffendes Abbild menschlicher Gemeinschaft und Eigenart ist. Ihre äußere Erscheinungsform kann trotz immer gleicher Bauelemente grundverschieden sein, bleibt aber dennoch von jedem erkennbar. Jedes Instrument ist eine individuelle Schöpfung eines Künstlers für die nicht hoch genug anzusetzenden Ansprüche eines Gottes-Dienstes.
Mit der möglichen Vielseitigkeit in den Erscheinungsformen kann sich die Orgel auch den verschiedensten Kirchenbaustilen anpassen, im güns-tigsten Fall mit ihnen eine Einheit bilden. Hier ist die Gestaltung nach klassischen Prinzipien mit Leicht modernen Formsprachen umgesetzt.
Prof. Wolfram Rehfeldt, Orgelsachverständiger
Orgel-Disposition
|
I. Manual |
II. Manual |
Pedal |
|---|---|---|
|
Prinzipal 8' |
Rohrflöte 8' |
Subbass 16' |
|
Normalkoppeln + II/Ped. 4' II/II 16' und II/I 16' |
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Impressum
Kirche St. Paulus fotografiert am 04.08.2022, erneut im 08.05.2026 - 75 Bilder - SDG
(c) 2026 Foto-Kunst Andreas Keller - Ehrenhalde 14, 70192 Stuttgart
Auf Kirchen-Online veröffentlicht am 22.08.2026
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